Durch die Teil-Impfpflicht, die nur selektiv Teile der Bevölkerung und bestimmte Professionen trifft, findet eine verfassungsmäßig bedenkliche Ungleichbehandlung der davon Betroffenen im Gegensatz zu einer Allgemeinen Impfpflicht statt.
Liegt die vollständige Impfquote bei allen MitarbeiterInnen im Krankheits-, Gesundheits- und Betreuungswesen im Zielbereich von 90+ Prozent, hieße eine gesetzliche, selektive Impfpflicht in diesen Branchen und Bevölkerungsteilen "Eulen nach Athen tragen".
Den Zeitpunkt für die Einführung einer generellen Impfpflicht hat die Bundesregierung gründlich vermasselt:
1. Je höher die freiwillige Impfquote, desto geringer ist die juristische Legitimation für eine generelle Impfverpflichtung der gesamten Bevölkerung ab 18 Jahren.
2. Eine substanzielle Berechnung von Kosten, Nutzen, Risiken, Vor- und Nachteilen bzw. bio-psycho-sozial-kulturellen Auswirkungen, auch im Sinne einer Umweltverträglichkeitsprüfung steht aus.
3. Bund und Länder haben es bisher sträflich versäumt, speziell in den Neuen Medien (TicToc, Instagram, Twitter, Facebook, Telegram, iTunes, Spotify, Deezer, Google Podcast usw.) aktiv auf Vorteile/Sicherheit/Verfügbarkeit der freiwilligen Anti-Corona-Impfungen hinzuweisen.
4. Bund- und Länder-Regierungen haben irreführend auf einen angeblich zu erwartenden Totimpfstoff verwiesen und grob fahrlässig unterlassen darauf hinzuweisen, dass a l l e, auch m-RNA- und Vektor-Vakzine, reine Totimpfstoffe sind.
5. Eine Befriedung z.T. fantisch-verblendeter, irrationaler und aufrührerischer Impfgegnerschaft ist derzeit nicht in Sicht. Beide gesellschaftlichen Gruppen stehen sich derart unversöhnlich gegenüber, dass eine allgemeine Impfpflicht durchzusetzen immer unwahrscheinlicher wird.
Auf zwei weitere, wichtige Punkte hat mich der veterinärmedizinische Kollege Michael Menzler hingewiesen:
6. Keine Übersicht über den Anteil der impfempfänglichen Individuen und somit die Notwendigkeit der Impfpflicht per se.
7. Es gibt keine seriöse Datenbasis, um zu beurteilen, ob wir nicht bereits Herdenimmunität haben.
Wie unterschiedlich in Frankreich und Deutschland mit der Werbung für freiwillige Anti-Corona-Impfungen umgegangen wird, erkennt man an den extrem differierenden Werbebotschaften, ihren emotionalen Aussagen und kulturellen Reflexionen: