Mitochondrien spielen eine wichtige Rolle bei der Erregerabwehr. Forscher zeigen nun, dass Krankheitserreger diese Abwehrmechanismen ausschalten können – und zwar mit Stress.
Um zu überleben, müssen Krankheitserreger zunächst die Abwehrmechanismen des Wirts ausschalten und dann, nachdem sie in die Zelle eingedrungen sind, Nährstoffe von ihrem Wirt beziehen. Einer dieser Abwehrmechanismen kommt von den Mitochondrien des Wirts, die den Erregern die von ihnen benötigten Nährstoffe entziehen und so ihr Wachstum einschränken. „Wir wollten wissen, wie sich das Verhalten der Mitochondrien sonst noch verändert, wenn sie in der Zelle auf Krankheitserreger treffen. Da die äußere Membran dieser Organellen der erste Kontaktpunkt mit den Eindringlingen ist, haben wir uns diese genauer angeschaut“, erklärt Lena Pernas, Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns.
Die Forscher infizierten Zellen mit dem menschlichen Parasiten Toxoplasma gondii und beobachteten live unter dem Mikroskop, was mit der äußeren Membran der Mitochondrien passiert. „Wir sahen, dass Mitochondrien, die mit dem Parasiten in Kontakt kamen, große Strukturen von ihrer äußeren Membran ablösten. Das war für uns sehr rätselhaft. Warum sollten Mitochondrien das abstoßen, was im Grunde das Bindeglied zwischen ihnen und dem Rest der Zelle ist?“, so Xianhe Li, Erstautor der Studie.
Aber wie bringt der Parasit die Mitochondrien dazu, dies zu tun? Das Forschungsteam konnte zeigen, dass der Erreger über ein Protein verfügt, das ein mitochondriales Wirtsprotein nachahmt. Es bindet an einen Rezeptor auf der äußeren Membran der Mitochondrien, um Zugang zu der Maschinerie zu erhalten, die dafür sorgt, dass Proteine in Mitochondrien importiert werden. „Auf diese Weise kapert der Parasit eine normale Reaktion des Wirts auf mitochondrialen Stress. Dies führt zu einer Entwaffnung der Mitochondrien“, so Pernas. „Andere Forschende haben gezeigt, dass ein Protein des SARS-CoV-2-Virus ebenfalls an diesen Transportrezeptor bindet.
Dies deutet darauf hin, dass der Rezeptor eine wichtige Rolle bei der Interaktion zwischen Wirt und Krankheitserreger spielt. Es sind jedoch weitere Untersuchungen erforderlich, um seine Rolle bei verschiedenen Infektionen besser zu verstehen.“Dieser Artikel basiert auf einer Pressemitteilung des Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns. Die Originalpublikation findet ihr hier und im Text verlinkt.
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