Bei einer ruhigen Schicht im Impfzentrum wundere ich mich, warum jetzt auch Apotheker und Tierärzte impfen sollen. Denn das Problem liegt meiner Meinung nach ganz woanders.
Neulich saß ich, fürstlich entlohnt, in einem Impfzentrum und hatte zwischendurch immer wieder Zeit zum Plausch mit meinen beiden Kollegen, weil wir schlicht nichts zu tun hatten. Nur bei der Öffnung standen einige Leute schon länger vor der Tür, die sich wahrscheinlich in den Hintern gebissen haben, als sie hörten, dass man schon eine Stunde später einfach durchmarschieren konnte. Doch da ich, wenn ich zum Arbeiten gekommen bin, auch ganz gern arbeiten will, schrieb ich einen Aufruf bei Facebook – was zwar zu einem Nachtröpfeln einiger Impflinge führte, aber nicht zu einem Strom.
Nun ist diese Impfaktion weiterhin an 4 Tagen die Woche nachmittags geplant, und ich frage mich, ob sich das Angebot noch rumspricht, oder ob die Leute weiterhin wegbleiben, weil sie schon versorgt sind.
Eine kleine Umfrage bei Twitter zeigte ein gespaltenes Bild: Einige Menschen suchen verzweifelt Termine, andere sind längst versorgt. Aber im Ernst: Die schlechteste Lösung wäre es, Tierärzte und Apotheker impfen zu lassen! Erst Waldi, dann Wolfgang … Ich wüsste gerne, ob sich meine Veterinärskollegen bei dem Gedanken wohl fühlen. Natürlich werden sie ihre Diktion entsprechend anpassen und den Impfvorgang nicht mit „Du bist ja ein ganz Feiner, ein ganz Braver!“ abschließen. Aber obgleich ernste allergische Komplikationen selten sind, könnten diese dem nicht Geübten durchaus Grusel verursachen. Außerdem: Wie kann ein Tierarzt aufklären, ohne jegliche praktische Erfahrung, was Komplikationen angeht, und wie ordnet er die diffusen Beschwerden ein, die Impfungen nicht selten folgen?
Die, so fürchte ich, landen bei uns Ärzten.
Ebenso wie jene, die sich den „Piks“ beim Apotheker holen, ohne zu bedenken, dass es weit mehr als ein Piks ist, und dass Apotheker das Folgende weder einordnen oder behandeln können. Das „dürfen“ dann wir. Und auch wir werden es sein, die weiterhin die Unsicheren, Altern, Umständlichen impfen und uns um etwaige Nebenwirkungen kümmern werden.
Wie wir bei der Besetzung der Impfzentren gesehen haben, gibt es genügend Ärztinnen und Ärzte, die impfen können bzw. wollen – wenn man uns genügend Impfstoff überlässt. Überlasst dem Apotheker den Medikamentenhandel (ich verkaufe auch keine) und dem Veterinär Hund, Pferd und Katz. Wir werden schon alle Menschen mit Impfungen versorgen, und wenn die Unkomplizierten und die Zauderer in gesunder Mischung auftauchen, kriegen wir das mit dem Zeitmanagement wunderbar hin.
Es muss nur das, was nicht in Praxen geschafft werden kann, vernünftig von den Städten und Landkreisen organisiert werden. Wenn die Politiker das hinkriegen, kommen die Ärzte ganz von selber.
Bildquelle: Jeremy Bezanger, unsplash