In der Steinzeit und im Mittelalter war Übergewicht ein Zeichen von Wohlstand.1 Doch schon in den Anfängen der modernen Medizin zwischen 1500 und 1750 wurde auch aus medizinischer Sicht von Menschen mit starkem Übergewicht berichtet.2 So beschrieb der Arzt Timaeus von Güldenklee, der von 1600 bis 1667 in Colberg lebte und arbeitete, in seinen Casus Medicinales von Fällen extremen Übergewichts – und therapierte seine Patienten mit einer Diät.2
Doch was haben die Mediziner von damals über Adipositas gedacht und welche Erklärung hatten sie für die Erkrankung?
Ähnlich zu heute waren auch die Prognosen, denn schon damals gingen die Ärzte davon aus, dass den Betroffenen Herzschwäche, Schlaganfall und ein früher Tod drohen würde.2 Große Unterschiede zur heutigen Zeit gab es jedoch in der Erklärung, was im Körper passiert, wenn Menschen zu viel Fettgewebe haben. Die damaligen Mediziner wussten noch nicht um die genauen Stoffwechselvorgänge und vieles wurde mit der sogenannten „Säftelehre“ begründet: So wurden fast alle Krankheiten auf faulige, verdorbene oder anderweitig krankhafte Säfte zurückgeführt. Die logische Schlussfolgerung und gleichzeitiger Therapieansatz war, die schädlichen Säfte aus dem Körper zu leiten, beispielsweise mit Hilfe eines Aderlasses. Und auch das überschüssige Fett wurde in die Säftelehre eingebunden, denn die damaligen Mediziner vertraten die Theorie, dass durch die überschüssige Nahrungsaufnahme die „Lebenswärme“ geschwächt wurde. Die Ärzte vermuteten, dass die Nahrung dadurch vom Körper nicht mehr verarbeitet werden konnte, stattdessen „faulig“ wurde und sich im Körper anreicherte. Man ging davon aus, dass dies verstopfte Gefäße zur Folge hatte – und im schlimmsten Fall sogar zum Tod des Patienten führen konnte.2
Das überschüssige Fett musste den Körper also so schnell wie möglich wieder verlassen. Zunächst wurde das Körperfett jedoch als irreversibel eingelagertes Abfallprodukt angesehen, bis sich im 17. Jahrhundert die Theorie verfestigte, dass das Fett durch Bewegung und Hitze „verdünnt“ und dadurch wieder ins Blut gelangen und „verbraucht“ werden könnte. Die gängigsten Therapieansätze waren mehr Bewegung, weniger Essen (vor allem Fett), weniger Schlaf und kräftiges Schwitzen, um das Fett zu „verbrennen“. Außerdem wurden heiße und scharf gewürzte Speisen empfohlen – denn alles, was das Blut noch „heißer“ machte, wurde als gutes Mittel gegen Übergewicht angesehen. Man versprach sich davon, dass das in scharfen Speisen enthaltene Fett gar nicht erst eingelagert werden würde.2
Die ersten wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema Adipositas wurden im 18. Jahrhundert zur Zeit der industriellen Revolution veröffentlicht. Im 19. Jahrhundert folgten dann die ersten medikamentösen Therapieoptionen – jedoch waren viele davon wirkungslos oder hatten sogar einen negativen, suchtgefährdenden Effekt. Im 20. Jahrhundert wurde die bariatrische Chirurgie entwickelt und die Roux-en-Y-Magenbypass(RYGB)-Operation gilt bis heute als Goldstandard in der Therapie der Adipositas,1 neben der Schlauchmagen-Operation, die mittlerweile zu den am häufigsten durchgeführten Verfahren zählt.3
Aber auch medikamentöse Optionen rücken wieder mehr in den Fokus der modernen Medizin und seit dem Jahr 2000 ist die Adipositas eine von der WHO anerkannte Erkrankung.4 Die Geschichte ist jedenfalls noch nicht auserzählt – denn Adipositas und ihre Begleiterscheinungen stellen nach wie vor eines der größten gesundheitspolitischen Probleme der heutigen Zeit dar.1
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