Der Wirkstoff Colchicin zeigt in bisher verfügbaren Studien keine Vorteile bei der Behandlung von hospitalisierten COVID-19-Patienten. Zu diesem Schluss kommt ein Cochrane-Review.
Die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) enthält das potente Zellgift Colchicin. In geringer Dosierung wird es schon lange erfolgreich als Medikament eingesetzt, insbesondere zur Behandlung von Gicht. Auch als Behandlungsoption für COVID-19 wurde Colchicin diskutiert, in der Hoffnung, dass seine entzündungshemmenden Eigenschaften die oft überschießende Immunreaktion bei COVID-19-Patienten dämpfen könnten. Ein soeben veröffentlichter Cochrane-Review findet dafür aber keine überzeugende Evidenz aus klinischen Studien.
In der systematischen Literatursuche für ihre Übersichtsarbeit fanden die Autoren Evidenz aus drei randomisierten kontrollierten Studien (RCTs). Demnach hat Colchicin bei Menschen mit mittelschwerer bis schwerer Erkrankung wahrscheinlich keinen Nutzen. Allerdings könnte Evidenz aus derzeit noch laufenden bzw. unveröffentlichten Studien dieses Ergebnis noch verändern. Über die Sicherheit des Medikaments in der Behandlung von Patienten mit COVID-19 erlaubt die bisher verfügbare Evidenz keine definitiven Aussagen.
Für ambulant behandelte Patienten mit leichtem COVID-19 oder bestätigter Infektion enthält der Review Daten aus einer RCT. Sie deuten darauf hin, dass Colchicin wahrscheinlich zu einer leichten Verringerung des kombinierten Risikos einer Krankenhauseinweisung oder eines Todes innerhalb von 28 Tagen und von schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen führt. Betrachtet man das Sterberisiko isoliert, lassen sich jedoch keine Aussagen machen.
Auch für den Einfluss der Therapie mit Colchicin auf die Häufigkeit von unerwünschten Nebenwirkungen liefert die Studie keine ausreichende Evidenz. Aus anderen Einsatzbereichen ist aber bekannt, dass korrekt dosiertes Colchicin u. a. deutliche Magen-Darm- und Muskelbeschwerden hervorrufen kann. Durch seine geringe therapeutische Breite können versehentliche Überdosierungen zudem schnell schwerwiegende Folgen haben.
Dieser Text basiert auf einer Pressmitteilung von Cochrane Deutschland. Die Studie haben wir euch im Text und hier verlinkt.
Bildquelle: Tingey Injury Law Firm, Unsplash