Überschüssiges Fettgewebe kann einen Menschen sehr stark belasten. Ein Lipödem geht oft mit Übergewicht einher und kann sich dadurch verschlimmern. Isolierte Lipödeme müssen jedoch anders behandelt werden. Die Unterschiede zwischen den beiden Erkrankungen sind schnell erklärt. Auch die Behandlungsmöglichkeiten entwickeln sich weiter: So kann die Liposuktion inzwischen von den Krankenkassen erstattet werden. Unter welchen Voraussetzungen, erklären wir hier.
Bei einem Lipödem liegt eine schmerzhafte und disproportionale Fettgewebsverteilungsstörung vor.1 Diese zeigt sich fast immer symmetrisch auf beiden Seiten des Körpers. Bei einem Lipödem ohne Adipositas verändern sich die Körperproportionen, denn die Fettvermehrung tritt vor allem an den Beinen, den Hüften und dem Gesäß auf - daher kommt der volkstümliche Name „Reiterhosen“. Am Oberkörper können die Schulterregionen, Ober- und Unterarme betroffen sein.1 Diese Veränderungen geschehen unabhängig von der Ernährung oder körperlicher Aktivität, was aber einen Einfluss auf die Stärke der Symptome haben und ein Fortschreiten der Erkrankung verhindern kann.1
Ganz so einfach ist die Diagnose meist jedoch nicht, da viele Betroffene gleichzeitig auch unter Adipositas leiden.1 Wenn sich das Übergewicht auch am Oberkörper bemerkbar macht, ist die unproportionale Fettverteilung aufgrund des Lipödems nicht mehr so leicht erkennbar. Einen klaren Hinweis auf ein Lipödem bieten die damit einhergehenden Beschwerden: Betroffene verspüren häufig starke Berührungs- und Druckschmerzen.1 Dagegen haben übergewichtige Patient:innen ohne Lipödem keine derartigen Symptome.1
Von Lipödemen sind fast ausschließlich Frauen betroffen, weshalb eine genetische Komponente sehr wahrscheinlich ist. Hormonelle Veränderungen in der Pubertät, Schwangerschaft und Menopause werden in der S2k-Leitline als „Mitauslöser“ diskutiert, sind bislang aber nicht belegt. Gleichwohl tritt ein Lipödem fast ausschließlich bei Frauen während einer hormonellen Umstellung auf.1 Tritt Adipositas zeitgleich mit einem Lipödem auf, so erhöht sich bei den betroffenen Patient:innen das Risiko einer Verschlimmerung des Lipödems.1
Unbehandelt verläuft ein Lipödem meist chronisch, jedoch nicht unbedingt progredient. Das Fortschreiten der Erkrankung scheint mit einer Zunahme des Gewichts oder hormonellen Einflüssen im Zusammenhang zu stehen.1 Dennoch wird eine Therapie zur Linderung der Symptomatik empfohlen: Manuelle Lymphdrainage, komplexe physikalische Entstauungstherapie, Kompressionstherapie, Bewegungstherapie und Hautpflege sind möglich, dazu Selbstmanagement und Selbshilfegruppen.1
Kommen Lipödem und Adipositas zusammen, spielen körperliche Aktivität plus Ernährungsumstellung aufgrund der möglichen Ödembildung eine wichtige therapeutische Rolle.1
Schließlich bleibt in schweren Fällen mit starker Symtomatik die Liposuktion als chirurgische Maßnahme.1 Dabei wird das Unterhautfettgewebe nachhaltig operativ entfernt.
Seit Juli 2025 ist diese Methode nach einer Bewertung ihres medizinischen Nutzens im individuellen Fall durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) Teil des regulären Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung.2 Damit können betroffene Patient:innen die Kostenübernahme der Liposuktion beantragen. Eine Einschränkung gilt jedoch: Liegt der Body-Mass-Index (BMI) über 35 kg/m2, muss zunächst eine Adipositastherapie erfolgen, bis dieser Grenzwert wieder unterschritten ist. Erst dann besteht ein Anspruch auf Erstattung der operativen Behandlung.3
Referenzen:
Nutzen Sie unsere Kommentarfunktionen für Fragen oder Anmerkungen zu diesem Beitrag. Und falls Ihnen der Beitrag gefallen hat, können Sie diesen auch gerne bewerten!
Dieser Beitrag wird Ihnen präsentiert von Novo Nordisk. // ID: DE25OB00491