Heute sind die restlichen 4 Sensoren des eHealth Shields dran. Auf dem Programm stehen Airflowmeter, Glucometer, Hautwiderstand und EKG. Los geht's!
Airflowmeter
Das Airflowmeter lässt sich durch 2 kleine Steckkontakte am Shield befestigen, wobei man die Polung beachten muss. Die Anbringung unter der Nase ist etwas gewöhnungsbedürftig, da kein elastisches Band zur Vergügung steht, sondern einfach die flexiblen Kabel hinter die Ohren gezogen werden. Sieht man davon ab, dass man damit gut als Charlie Chaplin durchgeht, ist der Sensor einfach, aber funktional. Weniger erfreulich ist die Darstellung der Ergebnisse. Die Atemexkursionen lassen sich in der App unter dem Menüpunkt "Charts" nur als kaum sichtbare, flache Erhebungen ausmachen, da man die Skalenwerte nicht anpassen kann. Die Atemfreqenz lässt sich nicht ablesen. Das gelingt immerhin im Serial Monitor des Arduino Programms und mit KST auf dem PC. Messen tut der Sensor also. Für den Einsatz am Patienten scheint das Ganze - abgesehen von der fehlenden Zertifizierung - aber ein bisschen zu sehr mit heißer Nadel zusammen gestrickt zu sein. Schade.
Hautwiderstand
Am Hautwiderstand scheitere ich. Elektroden anschließen - kein Problem. Aber das eShield meldet hartnäckig "No patient connection" - obwohl die Elektroden fest an meinen Fingerbeeren stecken. Mehrfaches Drücken der "Reset"-Tase bringt es auch nicht. Auch die App spuckt keine Wert aus. Na, dann halt nicht.
EKG
Mit gesunder Skepsis gehe ich jetzt die Königsdisziplin an: Das EKG. Das eHealth Shield bietet eine 3-Punkt-Ableitung. Die Elektroden sehen vertrauenserweckend aus, Klebepatches werden erfreulicherweise mitgeliefert. Da kein LCD-Monitor an das Gerät angeschlossen ist, werfe ich die Daten über die serielle Schnittstelle aus, was eine lustige lange Liste von Spannungswerten erzeugt, aber natürlich keine EKG-Kurve. Auch die App liefert leider nur ein abenteurliches Zackendefilee, aber keine lesbaren QRS-Komplexe. Cooking Hacks empfliehlt für die Visualisierung der Rohdaten das Freeware-Programm "KST". Selbst ist der Mann. Ich lade KST herunter und versuche aus den Rohdaten eine Kurve zu basteln. Das Ergebnis sieht man unten. Ich würde es am ehesten als Kammerflattern interpretieren - denn nach rund 1 Stunde Klicken in den endlosen Menüoptionen von KST ist der Ausfall des Sinusknotens verständlich.
Glucosesensor
Das Gerät funktionert - genauso wie die Übertragung des BZ-Werts an die App. Aber das hätte mich jetzt schon schwer enttäuscht, wenn selbst die Übertragung eines einfachen numerischen Werts nicht hingehauen hätte ;-)
Fazit
Das eHealth Shield ist etwas für masochistisch veranlagte Bastlertypen, die nicht auf polierte Apple-Oberflächen stehen, sondern die Command-Line für das eleganteste Interface halten. Für Ärzte im Alltagsgebrauch ist es ungeeignet - und dabei ist die fehlende Zertifizierung noch das geringste Problem.
Bei aller Kritik sollte man aber auch sehen, dass die Grundidee gut ist, man eine ganze Menge durch das Herumbasteln lernt und die Technik sich weiter entwickelt. Das eHealth Shield ist nur ein kleiner Schritt auf dem Weg zum Schweizer Taschenmesser für Mediziner, das mit ziemlicher Sicherheit kommen wird. Immerhin gibt es große Firmen, die an diese Idee glauben. So hat der X-Prize vor einigen Monaten 10 Mio Dollar für die Forschergruppe ausgeschrieben, die den ersten Tricorder á la McCoy zusammen baut.