An einer europaweit randomisierten Studie in 16 Zentren nahmen 2.061 Erwachsene teil, die sich mit dem Leitsymptom "Husten" </=28 Tage bei ihren Hausarzt vorgestellt hatten. Ausschlusskriterien waren nicht-infektiöse Ursachen, Verdacht auf Pneumonie mit Indikation zur Antibiotikatherapie, etc. Die hustenden Patienten wurden mit empirischer Antibiotikatherapie mit Amoxicillin 3 x 1000 mg tgl. oder einer Behandlung mit Placebo im Doppelblindversuch über jeweils 7 Tage behandelt. Die Studie ist kostenfrei nachzulesen:
http://press.thelancet.com/LRTI.pdf
Die Studienmethodik ist schlicht gestrickt. In nicht nachvollziehbarer Logik und frei von Leitlinienwissen wurde banaler, bis zu 28 Tagen dauernder Husten als A l l e i n m e r k m a l für eine Infektion des unteren Respirationstaktes (LRTI) bei über 18-jährigen genommen. Nur frei von Pneumonie-Verdacht wurden die Patienten randomisiert per Zufallsgenerator der Amoxicillin- oder Placebogruppe zugeordnet ["Methods: Patients older than 18 years with acute lower-respiratory-tract infections (cough of < =28 days’ duration) in whom pneumonia was not suspected were randomly assigned (1:1) to either amoxicillin (1 g three times daily for 7 days) or placebo by computer-generated random numbers."].Um das Ganze noch zu toppen wurden alle weiteren, z. B. mit Bronchialatmen („bronchial breathing“)ernstlich Bronchitis Kranke und diejenigen mit komplizierten LRTI („complicated lower-respiratory-tract infection“) aus der Studie a u s g e s c h l o s s e n, um nur ja nicht ein dann indiziertes und differenziert einzusetzendes Antibiotikum studienwirksam werden zu lassen. Die Systematik der Ausschlusskriterien führte selektiv zu Studienteilnehmern, die n i c h t s Weiteres als einen banalen Husten von bis zu 28 Tagen Dauer hatten. Blödsinnig, wie es nicht nur klingt, erhielten diese dann zu Hälfte völlig unwirksames Amoxicillin und zur anderen Hälfte ebenso unwirksames Placebo. Das ist in etwa so pfiffig, wie eine Anämie mit fortgesetzten Aderlässen zu behandeln. Und dass banaler Husten o h n e weitere Symptome wie Fieber, verschärftes Atemgeräusch, purulenter Auswurf, Streptokokkenverdacht im HNO-Bereich und gar beginnende Infiltration oder Pleuritiszeichen k e i n e Antibiotika als adäquate Therapie benötigt, war schon vorher leitliniengerecht bekannt. In dieser Studie wurden die Husten-Patienten in der Verum-Gruppe anlasslos übertherapiert.