„ Bei den mit falscher PZN bedruckten Rezepten geht es deshalb ... vorrangig nicht um die Frage des Abrechnungsbetruges, sondern vor allem um einen relevanten Verstoß gegen die Arzneimittelsicherheit...“ so die Pressemitteilung der AOK
Arzneimittelsicherheit also darum geht es hier vorrangig????
Arzneimittelsicherheit, das war doch das, was wir vor Einführung von Rabattverträgen, aut-idem Regelung und Packungsgrößenverordnung mal hatten!
Wenn ein Patient statt Marcumar plötzlich Marcuphen erhält und es fälschlicherweise für ein Magnesiumpräparat hält, dann ist die Arzneimittelsicherheit gefährdet.
Wenn ein Patient sein Doxazosinpräparat nicht einnimmt, weil im Beipackzettel kein Wort von Prostatahyperplasie steht, dann ist die Arzneimittelsicherheit gefährdet.
Wenn ein Patient sein Antibiotikum nur fünf Tage einnehmen kann, weil 14 Amoxicillin Tabletten gegen eine 10er Packung ausgetauscht werden mussten, dann ist die Arzneimittelsicherheit gefährdet.
Wenn einem Asthmatiker ein Rabatt - Refill ausgehändigt werden muss, das nicht in seinen Inhalator passt, dann ist die Arzneimittelsicherheit gefährdet.
Wer seit Jahren Fragen der Bioverfügbarkeit, Pharmakodynamik und geringer therapeutischer Breite mit einem „ist doch eh alles dasselbe“ beiseite wischt, der kennt eben nicht den Unterschied zwischen „dasselbe“ und „das Gleiche“ und gefährdet die Arzneimittelsicherheit.
Wer Rabattverträge über völlig ungebräuchliche Packungsgrößen abschließt und anschließend mit einer Packungsgrößenreform für sich passend macht, der gefährdet die Arzneimittelsicherheit.
Wer für eine aut idem Substitution sorgt, bei der nur eine Indikation übereinstimmen muss, der gefährdet die Arzneimittelsicherheit.
Wem es völlig wurscht ist ob seine Versicherten in drei Monaten drei verschiedene Generika bekommen, weil seine Vertragspartner nicht lieferfähig sind, der gefährdet die Arzneimittelsicherheit.
Und wenn so jemand wegen einer falsch aufgedruckten PZN plötzlich medienwirksam von Arzneimittelsicherheit schwadroniert, dann ist das wirklich der Gipfel der Scheinheiligkeit!!!
Liebe ABDA, lieber DAV eine bessere Steilvorlage kann man sich doch gar nicht wünschen –
und was macht Ihr daraus....?
-Statt zu thematisieren wieviele Rezepte denn korrekt bedruckt wurden, um da einmal eine Relationen geradezurücken,
-statt aufzuzeigen wieviel Mehraufwand durch Lieferausfälle tatsächlich entstanden ist und tagtäglich aufs Neue entsteht, um zu verdeutlichen dass mögliche Fehlerquellen zu Hauf vorhanden sind,
-statt endlich einmal wirklich über Arzneimittelsicherheit zu reden,
-statt also die Verlogenheit dieser ganzen Kampagne deutlich zu machen
lasst ihr es zu, dass unser ganzer Berufsstand pauschal angeprangert wird, indem ihr versucht ein paar schwarze Schafe zu schützen.
Das liebe Standesvertreter nenne ich einfach mal den Gipfel der Hilflosigkeit