Ende letzten Jahres hat mich Josephine Chloe mit ihrem Papa in meiner Apotheke besucht. Damals war sie fast vier Jahre alt und wohnte mit ihren Eltern in einer schicken Neubausiedlung gleich um die Ecke.
Ihr Papa hatte da nämlich eine Frage: Auf Grund einer Entwicklungsverzögerung war sie mit Pflegestufe 1 eingestuft worden und da stünden ihr ja für ca. 27 Euro im Monat Pflegehilfsmittel zu. Betteinlagen, Handschuhe und Desinfektionsmittel bräuchte sie aber überhaupt nicht, schließlich fehle ihr ja gar nichts, außer das sie noch nicht laufen könne. Aber ihre Mama könnte die eine oder andere Gesichtscreme ganz gut gebrauchen... Ob man das nicht irgendwie verrechnen könne.
Diplomatisch habe ich damals versucht ihm zu erklären, dass mich solche betrügerischen
Abrechnungsmanipulationen um meine Existenz bringen könnten.
Er erwiderte daraufhin, dass er im Zweifelsfall dann eben die Handschuhe nehmen würde um sie auf dem Trödel oder bei eBay zu verkaufen: „Irgendwie muss man ja zu seinem Vorteil kommen“ meinte er noch und ward nicht mehr gesehen.
So lange Beitragszahler wie Josephines Papa ( Er ist erste Mitte zwanzig!!) nicht begreifen, das eine Krankenversicherung eher der Risikoabsicherung dient und nicht dazu gedacht ist möglichst alles was geht aus dem System heraus zu holen, so lange sehe ich für die Zukunft unseres Gesundheitssystems schwarz.
Nicht selten habe ich in den letzten Tagen von empörten Kunden gehört, dass sie im Falle einer Beitragserhöhung eben noch öfter zum Arzt gehen würden – wenn schon denn schon!...
Da spende ich als Apothekerin doch wirklich gerne die Hälfte meines Einkommens zum Wohle der Allgemeinheit!