Am letzten Wochenende habe ich einen Kurzurlaub auf einer kleinen Mittelmeerinsel gemacht. Sie heißt Soli und sollte nach Auskunft meines Bekannten eines der letzten Preis- und Steuerparadiese Europas sein. Dort setzte ich mich mittags in ein Straßencafe und durchlebte folgende Szene:
Ich: Einen Kaffee, bitte.
Kellner: Sofort.
(Tritt ab, kommt mit Espressotasse wieder)
Kellner: Ihr Kaffee.
Ich: Danke. Was macht das?
Kellner: 4,66 Euro
Ich: Ist ja ein ziemlicher Hammerpreis.
Kellner: Nein, unser Kaffe ist billig. Er kostet nur 1,80 Euro.
Ich (erleichtert): Guter Scherz...
Kellner: Nein, 1,80 Grundpreis. Aber dazu kommen 50 Cent Tassen-Soli und 23 Cent Milchschaum-Pauschale...
Ich: ?
Kellner: ...ferner 37 Cent Tassenvorheizbeitrag und 12 Cent Zungenverbrennungssoli - der kann aber mit der Bitterstoff-Zusatzabgabe verrechnet werden. Formblätter finden Sie an der Theke.
Ich: Da komme ich immer noch - äh, plusminus, zwei im Sinn - nur auf 2,42 Euro.
Kellner: Ich war auch noch nicht fertig. Weitere 20 Cent gehen als Ausgleichssoli an die Verwaltungszentrale für Bohnengetränke und 73 Cent sind der Senioren-Soli für alternde Kaffeepflücker. Am Schluss noch 18% Kaffeesteuer.
Ich: Cleveres System. Wie heißt der Geschäftsführer?
Kellner: Karl Lauterbach. War früher mal im Bundestag. Ach übrigens wäre ich dankbar für einen Service-Soli...
Ich stand auf, verzichtete auf den Milchschaum und verließ fluchtartig das Cafe.
Soli im März. Am rechten Bildrand ein Karl-Lauterbach-Denkmal.