DocMorris darf seine grün-weisse Apothekenfiliale im Saarland weiter betreiben. Sollten die Verwaltungsgerichte die Entscheidung des Saarlandes abnicken, wäre der Deich, den die deutschen Apotheker um ihr Versorgungsoligopol gezogen haben, endgültig gebrochen.
Die Entscheidung ist jedoch nicht so dramatisch, wie sie jetzt dargestellt wird. Denn die so genannten Qualitäts- oder Einkaufsgemeinschaften und der verdeckte Mehrbesitz haben sich in den letzten Jahren bereits kräftig ausgebreitet. Es wäre naiv zu glauben, der Pharmagroßhandel oder kaufkräftige Handelskonzerne wären nicht schon längst "under cover" präsent.
Die von den Verbänden idealisierte, wirtschaftlich unabhängige "Einzelapotheke" ist nur eine der vielen Lebenslügen des deutschen Gesundheitswesens, an denen auf dem Weg zu mehr Wettbewerb krampfhaft festgehalten wird. Das dürfte nach dem saarländischen Alleingang nun schwieriger werden. Ob die von der ABDA angezettelten juristischen Scharmützel (incl. der Strafanzeige gegen Minister Hecken) mehr als nur Waffenklirren erzeugen, ist fraglich. Da könnte die ABDA von den Holländern lernen. Denn die wissen: Sobald zu viel Wasser einbricht, ist es sinnvoller, sich auf trockene Gebiete zurückzuziehen.
Erste Sicherungsmaßnahmen der ABDA im Saarland.